Präambel

 

Die Oberösterreichischen Gesundheitsziele sind ein Instrument, um langfristig, gemeinsam und koordiniert für mehr Gesundheit in Oberösterreich zu arbeiten. Durch diese Zusammenarbeit der wichtigsten Organisationen im Gesundheitsbereich können Ressourcen gebündelt und Synergien genutzt werden. Das Institut für Gesundheitsplanung ist für die Koordination sowohl der Erarbeitung als auch der Umsetzung der Gesundheitsziele zuständig.

 

Gesundheitsbegriff und Gesundheitsmodell

Nachdem es unterschiedliche Sichtweisen davon gibt, was unter „Gesundheit“ verstanden wird, soll an dieser Stelle ein gemeinsam erarbeiteter Gesundheitsbegriff angeführt werden, an dem wir uns in Oberösterreich orientieren.

 

„Gesundheit ist ein grundlegendes Menschenrecht und für unsere soziale und ökonomische Entwicklung unabdingbar.“

 

Wir sehen uns einem ganzheitlichen Gesundheitsbegriff verpflichtet, der körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden gleichermaßen umfasst. Gesundheit kann anhand objektiver Kriterien sowie subjektivem Empfinden definiert werden. Diese beiden Dimensionen sind in gleichem Ausmaß notwendig, um Gesundheit beschreiben zu können.

 

Gesundheit ist eine dynamische Entwicklung. Gesundheit und Krankheit schließen einander nicht aus, sie sind lediglich die Endpunkte auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum. Persönliche, soziale und umweltbezogene förderliche oder belastende Faktoren haben Einfluss darauf, wo sich ein Mensch in diesem Kontinuum befindet.

 

Wir orientieren uns am Public-Health-Ansatz, der die Gesundheit von Bevölkerungsgruppen in den Vordergrund stellt. Jeder Mensch ist für seine Gesundheit mitverantwortlich. Neben der individuellen Eigenverantwortung jedes/r Einzelnen liegt es auch in der Verantwortung der Gesellschaft, Verhältnisse zu schaffen, die es dem/der Einzelnen ermöglichen, gesund zu bleiben oder gesund zu werden.

 

Grundlage dafür ist der Ansatz der Gesundheitsdeterminanten, der alle Faktoren beschreibt, die Menschen ein gesundes Leben ermöglichen. Gesundheitsförderung und Prävention haben daher einen gleichberechtigten Stellenwert wie die Krankenversorgung.

 

Abbildung 2: Determinanten von Gesundheit [2]
Abbildung 2: Determinanten von Gesundheit [2]

Die Determinanten von Gesundheit (nach Dahlgren & Whitehead) stellen die Haupteinflüsse auf die Gesundheit als eine Reihe von Schichten dar.

Alter, Geschlecht und Erbanlagen sind wichtig für unsere Gesundheit, aber nicht beeinflussbar.

Für Veränderungen auf der Ebene der individuellen Lebensweisen stehen jene Bereiche im Mittelpunkt, die die Menschen selbst beeinflussen können. Dies inkludiert beispielsweise Gesundheitserziehung sowie Unterstützung für Menschen mit einem gesundheitsabträglichen Lebensstil.

Maßnahmen auf der Ebene der sozialen und kommunalen Netzwerke zielen darauf ab, Menschen zu helfen, sich gegenseitig zu unterstützen. Diese Strategien anerkennen die Stärken, welche Familien, Freundschaften, Freiwilligenorganisationen oder auch Gemeinden haben – im Gegensatz zu isoliert arbeitenden Individuen.

Die dritte Schicht zielt darauf ab, durch gesundheitsförderliche Strategien die Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dies kann national, regional oder lokal geschehen. Der Fokus liegt darauf, die materiellen und sozialen Bedingungen, unter denen die Menschen leben und arbeiten, zu verbessern.

Veränderungen bei allgemeinen Bedingungen der sozioökonomischen, kulturellen und physischen Umwelt (äußere Schicht) bedürfen in der Regel politischer Aktionen auf nationaler oder internationaler Ebene. Es handelt sich hierbei beispielsweise um ökonomische Strategien oder steuerpolitische Maßnahmen.

Es ist von großer Bedeutung, für jedes gesundheitspolitische Ziel oder jeden Zielbereich Strategien auf jedem der vier Einflussbereiche zu entwickeln. Ein gemeinsames Bemühen auf allen oder zumindest mehreren Ebenen erhöht die Effektivität.

Wie im Determinantenmodell beschrieben, wird Gesundheit stark von Entscheidungen in anderen gesellschaftspolitischen Bereichen  mitbestimmt. [3] Deshalb ist es wichtig, dass die einzelnen Bereiche zusammenarbeiten und Synergien geschaffen werden (multisektorale Herangehensweise, Health in all Policies). Speziell mit den unter Lebens- und Arbeitsbedingungen genannten Sektoren sollte kooperiert werden.

 

Basis für die Planung der Gesundheitsziele

Die oberösterreichischen Gesundheitsziele orientieren sich am Programm „Gesundheit für alle“ der WHO und stellen die Basis für gesundheitsförderndes Handeln in Oberösterreich dar. Sie gelten für alle Bevölkerungsschichten und sollen das Wohlbefinden aller Menschen, die in Oberösterreich leben, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts oder Alters, verbessern helfen. Den Zielgruppen

 

• Kinder und Jugendliche,

• Ältere Menschen sowie

• Sozial Benachteiligte

 

soll im Rahmen dieser Gesundheitsziele besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bei der Umsetzung sind die Prinzipien der Chancen- und Gendergerechtigkeit bzw. der Partizipation einzuhalten.

Gesundheitsbezogene Chancengerechtigkeit stellt ein ethisches Leitmotiv dar. Außerdem benötigen Männer und Frauen unterschiedliche Zugänge bei den Aktivitäten zur Erreichung der Gesundheitsziele. Diesen Unterschieden muss Rechnung getragen werden.

Die Beteiligungsmöglichkeiten in der Gesellschaft von Einzelnen und Gruppen beeinflussen die Gesundheit. Daher ist es notwendig, die Rahmenbedingungen für Partizipation zu verbessern. Vor allem für benachteiligte Gruppen müssen Möglichkeiten geschaffen werden, sich bei der Gestaltung eines gesunden Lebens einbringen zu können. 

 

Prozess – Strukturierte Herangehensweise

Um die Gesundheitsziele messbar und überprüfbar zu gestalten, wurde bei der Zielformulierung darauf geachtet, die SMART-Kriterien (Spezifisch – Messbar – Akzeptiert – Realistisch - Terminisiert) einzuhalten. Um die Zielerreichung dokumentieren, evaluieren sowie darstellen zu können, ist eine strukturierte Herangehensweise, hier in Form des „Public Health Action Cycles“, notwendig. Der Public Health Action Cycle beschreibt eine sich beständig weiterentwickelnde Lernspirale, die Anwendung in der Gesundheitspolitik finden sollte. Die Lernspirale wird in vier Arbeitsschritten beschrieben:

  1. Problemdefinition (assessment): Definition des Problemstandes
  2. Politik-Strategieformulierung (policy formulation): Ziele definieren und Instrumente bestimmen
  3. Umsetzung (assurance): diese Ziele anhand von Maßnahmen umsetzen und die Interventionsinstrumente sicherstellen
  4. Bewertung (evaluation): die gesetzten Maßnahmen evaluieren.

 

Abbildung 3: Der Public Health Action Cycle [4]
Abbildung 3: Der Public Health Action Cycle [4]

 

Der Public Health Action Cycle erstreckt sich über den gesamten Ziele-Zeitraum und stellt sicher, dass im Prozess auf die Umsetzung und Evaluierung Wert gelegt wird. Dazwischen wird ein Managementkreislauf für jedes Jahr umgesetzt, der kurzfristiger ausgerichtet ist.

Um sicherzustellen, dass Aktivitäten eine positive Wirkung auf die Gesundheit ausüben und keine nachteiligen Effekte aufweisen, sind die Evidenzlage sowie nachahmenswerte Beispiele bei der Maßnahmenentwicklung zu berücksichtigen. Liegt keine Evidenz vor, so sind die Aktivitäten wissenschaftlich zu begleiten und zu bewerten.

 

Die Gesundheitsberichterstattung hat zur Aufgabe, in regelmäßigen Abständen den Stand und die Entwicklung der Zielgrößen (Indikatoren) für die Gesundheitsziele bereitzustellen (Monitoring). Des Weiteren wird in den Basisgesundheitsberichten (alle fünf Jahre) ein allgemeiner Überblick über die gesundheitliche Situation in Oberösterreich sowie den momentanen Erreichungsgrad der Gesundheitsziele gegeben. Daneben werden noch Detailberichte zu speziellen Themengebieten und Problemlagen veröffentlicht. 

 

 

[1] Die Jakarta Erklärung zur Gesundheitsförderung für das 21. Jahrhundert, Juli 1997, Seite 1

[2] In Anlehnung an den „Policy Rainbow“: Dahlgren, Whitehead 1991

[3] vergleiche dazu WHO: WHO Regional Office for Europe 2010, Seite 34ff.

[4] Rosenbrock, Gerlinger 2004, Seite 25f.